Chronik Musikverein Mahlberg

“Im Breisgau und in der Ortenau ist man zur Musik viel mehr aufgelegt, als in gar vielen anderen Gegenden. Kaum wird in diesen Ländern ein Dorf angetroffen, wo nicht ein paar Musikanten wohnen. Überall ist Anlage und Lust zur Musik zu erblicken“. So schrieb im Jahre 1789 der Reichsfreiherr Böcklin von Böcklinsau in seinen Beiträgen zur Geschichte der Musik. So kann der Musikverein Mahlberg auf rund 125 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken.

Von der Gründung bis zum ersten Weltkrieg

Nach mehrjähriger loser Vereinigung hatten sich im Jahre 1898 die Musizierenden in Mahlberg ein Statut gegeben, in dem das Zusammenwirken in der Gemeinschaft über die musikalische Harmonie hinaus reglementiert wurde.
War es nun in menschlicher Unzulässigkeit liegende Uneinigkeit, die den Anlass zu der gesetzlich verankerten Gemeinschaft gegeben hat? Die Strenge der Statuten lässt es fast vermuten, obgleich der damalige Zeitgeist straffe Organisationen liebte.
„Die aktiven Mitglieder verpflichten sich durch Ihre Unterschrift und Unterschrift ihrer Eltern, auf 2 Jahre aktiv dem Verein anzugehören. Zum Austritt berechtigt nur Auswanderung, Wegzug oder durch ärztliches Zeugnis bestätigte Untauglichkeit. Eigenmächtig Austretende sind schuldig, den Betrag von 20 Mark in die Vereinskasse zu bezahlen.“
Die enorme Höhe dieser „Strafgebühr“ lässt sich durch den Vergleich mit dem Jahresetat aus dem Jahr 1900 ermessen. Damals wurden im Vereinsjahr 287,38 Mark eingenommen und 245,67 Mark ausgegeben.
Nun, solche „Strafandrohungen“ hatten wohl mehr deklaratorischen Charakter, denn der Verein hatte im Jahr 1900 immerhin 15 aktive Mitglieder.

Die Ettenheimer Zeitung berichtet in Ihrer Ausgabe vom 24.04.1899 von der ersten Aufführung des Musikvereins im Saale des Gasthauses zum Prinzen unter der musikalischen Leitung des Dirigenten, Herrn Wohlers vom 169. Inf.-Regt. in Lahr und dem Vorstand, Maurermeister Ferdinand Kromer.

Zitat: „…ein genußreicherer Abend wurde uns wohl schon lange nicht mehr zuteil; denn staunenerregend ist es, wie sehr es der um den Verein wohlverdiente Dirigent … verstanden hat, die musikalischen Kräfte auf die Höhe der Zeit zu bringen…“


In der Ettenheimer Zeitung vom 26.06.1924 wurden auch die Gründungsmitglieder des Musikvereins namentlich erwähnt, die damals aktiv waren:
Schwende August, Bahnvorsteher in Köndringen; Schwende Emil, Werkmeister in Ringsheim; Schwende August, Polizeidiener; Weiswurm Gustav, Gemeinderat; Bayer Karl, Küfermeister; Naudascher Emil, Briefträger; Naudascher Leopold, Bahnbeamter in Karlsruhe; Herzog Karl, gefallen im Weltkrieg; Kiesel Ferdinand, Postbote in Mahlberg; Herzog Albert und Adolf Wincken

Der Musikverein um 1900:

9 Julia Herzog 10 Ottilie Koos 11 Sophie Kalt, geb. Ehret
2 Gustav Weiswurm 8 Emil Naudascher 10 Wilhelm Bayer
1 August Schwende 2 ……Schwende 3 Karl Ehret 4 Josef Bösch 5 Eduard Isele 6 Josef Georg


Die im selben Jahr vorhandenen 105 passiven Mitglieder hatten monatlich einen Beitrag von 10 Pfennig zu bezahlen. Die erste Belastungsprobe dieses jungen Vereinspflänzchens war dann die Erhöhung des Monatsbeitrages im Jahre 1903 um 100%. Obwohl der Antrag aus der Mitte der der stark besuchten Mitgliederversammlung gekommen war und in der Versammlung einstimmig angenommen wurde, waren in der Folge zahlreiche Austritte zu verzeichnen. Insofern unterscheiden sich die damaligen Zeiten kaum von den heutigen.

Im kulturellen Leben der Gemeinde hatte der Musikverein schon von Anfang an einen hohen Stellenwert und war auch bei seinen überörtlichen Auftritten recht erfolgreich. In den Jahren 1901 und 1902 wurden bei Gaumusikfesten jeweils ein erster Preis errungen, welcher in der Form eines Musikinstrumentes vom Verein sicherlich gut gebraucht werden konnte. Diese Erfolge sind zweifellos auch Erfolge der ersten Dirigenten, die von der Militärmusik in Lahr angeheuert waren.

Ansonsten war das Vereinsleben geprägt durch gesellige Zusammenkünfte und Beteiligungen an allerlei Veranstaltungen. Tradition schienen recht bald die Konzerte Anfang Januar mit lustigen Einlagen und der Pfingsttanz im Gasthof zum Prinzen zu sein, denn alljährlich erscheinen irgendwelche Positionen im Kassenbuch für Girlanden und sonstigen Saalschmuck.


Wie ein Blitz aus heiterem Himmel brach der 1. Weltkrieg auch über den Musikverein Mahlberg herein. Anhand des Kassenbuches kann festgestellt werden, dass die Einnahmen bereits 1915 versiegten und das Vereinsleben 1917 vollständig zum Erliegen kam. Symbolhafter als mit der Rechnung für den Kranz anlässlich des Todes des zweiten Vorstandes 1917 lässt sich das Ende des ersten Abschnittes im Vereinsleben des Musikvereins Mahlberg nicht darstellen.

Der Neuanfang im Jahr 1920

Nach dem Krieg fanden sich bald wieder einige Idealisten, die die Vereinstätigkeit in den schwierigen Nachkriegsjahren und in der Zeit der Weltwährungskrise und der Inflation fortführten. So konnte der Musikverein im Jahre 1923 sein 25 jähriges Bestehen feiern.


1924 berichtete die Ettenheimer Zeitung unter „Badische Nachrichten“ in fetten Lettern vom 25 jährigen Stiftungsfest des Musikvereins Mahlberg. Der damalige erste Vorstand, Hauptlehrer Schludecker, konnte in seiner Festrede 25 Gastvereine aus der näheren und weiteren Umgebung begrüßen.


In den Folgejahren war das Vereinsleben von einer bewunderungswürdigen Aktivität gekennzeichnet. Auch damals war eine größere örtliche Veranstaltung ohne musikalische Umrahmung durch den Musikverein nur halb so schön. Ob weltliche oder kirchliche Feiern, Gartenfeste oder sonstige Anlässe, immer stellte sich die Blasmusik als wertvoller Träger des Gemeinschaftslebens innerhalb und außerhalb Mahlbergs dar.

Die Machtergreifung durch Hitler und das immer stärker werdende „Dritte Reich“ hatte auch Auswirkungen auf das Vereinsleben in Mahlberg. So wurde im Jahr 1938 der Verein aus politischen Gründen der Gemeinde unterstellt und ihm somit die Selbstverwaltung entzogen. Dies hatte beispielsweise zur Folge, dass der Musikverein sich für öffentliche Auftritte die Genehmigung der Verwaltung einholen musste und dann im Rathaus gelagerte Instrumente ausgehändigt bekam. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 beendete die Vereinsarbeit erneut, da ein Großteil der Musiker zum Kriegsdienst eingezogen wurde.

Die Neugründung des Vereins 1949

Schon kurz nach Kriegsende 1945 trafen sich die Musikanten wieder, deren Liebe zur Blasmusik stärker war als die Angst vor der französischen Besatzungsmacht. In dieser Zeit war jegliche Vereinstätigkeit verboten. Dennoch wagten sie es, bei Familienfeiern und kirchlichen Anlässen zu musizieren. Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland war der Weg frei zur Wiederaufnahme der offiziellen Vereinstätigkeit. Bei dieser Neugründung bestand der Verein aus 19 aktiven und 121 passiven Mitgliedern. Der erste offizielle Auftritt erfolgte aus einem traurigen Anlass. Die über 400 Jahre alte Linde an der Bundesstraße (B3) wurde 1949 von einem schweren Sturm restlos auseinandergerissen.


Aus Anlass der Wiederverleihung des Stadtrechts am 29. Oktober 1950 feierte ganz Mahlberg eines seiner größten Feste der Nachkriegszeit. Dieses seit der Zeit um 1200 bestehende Privileg hatte Mahlberg im Dritten Reich durch Gesetz verloren. Der Musikverein trug zum Gelingen dieses Festes tatkräftig bei.
Der Bau der Festhalle führte nach seiner Fertigstellung im Jahre 1956 zu einer wesentlichen Verbesserung des kulturellen Angebotes in unserer Gemeinde. Diese Halle war seinerzeit die modernste und schönste der ganzen Region. Die Tanzveranstaltungen und Theateraufführungen waren ein wahrer Magnet für Besucher aus der näheren und weiteren Umgebung.


1958, zum 60-jährigen Bestehen, wurden unter neuer Vorstandschaft die ersten Uniformen angeschafft.

Der Musikverein auf dem Rathausplatz 1958
Untere Reihe v.l.n.r. Helmut Schwarz, Otto Götz, Karl Kromer, Rudolf Kalt, Hans Braun (Dirigent), Richard Weber, Waldemar Wurth, Willi Saumer
Mittlere Reihe v.l.n.r. Erwin Fässler, Hans Kiesel, Bernhard Kopf, Paul Kölble, August Kalt, Anton Weber, Gustav Thum, Johann Weber, Erwin Ehret, Werner Wurth, Emil Naudascher, Dieter Rudhard
Obere Reihe v.l.n.r. Richard Wurth, Albert Vögele, Klaus Otschakowski, Albrecht Herzog, Gerhard Leitz, Heinz Fleig, Franz Georg, Manfred Saumer, Leopold Kiesel, Wolfgang Herzog

Die musikalische Fortentwicklung des Vereins

Im Jubiläumsjahr 1973 zum 75-jährigen Jubiläum bestand der Klangkörper des Vereins aus immerhin 35 Aktiven Musikern. 1973, im Jahr der Eingemeindung von Orschweier kam der erste Orschweirer in die Kapelle. Ebenfalls gilt noch zu erwähnen, dass bereits 1971 erstmals zwei Musikerinnen in die Kapelle aufgenommen wurden, was zur damaligen Zeit nicht selbstverständlich war.


Im Jahre 1979 feiert der Musikverein Mahlberg vom 23. bis 25. Juni sein 80-jähriges Jubiläum.


Im Jahr 1988 feierte der Musikverein Mahlberg sein 90-jähriges Jubiläum.


Im Jubiläumsjahr 1998 zum 100 jährigen Jubiläum konnte der Musikverein auf die stattliche Anzahl von 70 Aktiven und 19 Zöglingen stolz sein. Durch die große Bandbreite des Repertoires von der klassischen Blasmusik über Rock- bis zur konzertanten Musik war es gelungen, sowohl die Älteren zu motivieren als auch die Jugend zu begeistern.


Im Rahmen der Jubiläumstage wurde die wertvolle PRO-MUSICA-PLAKETTE an den Musikverein Mahlberg verliehen. Diese Plakette wurde im Jahre 1968 vom damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke für Vereine, die sich besondere Verdienste um die Pflege des instrumentalen Musizierens erworben haben gestiftet.


Nicht nur nach außen versteht es dieser Verein, Feste zu gestalten und zu umrahmen. Das Protokollbuch ist voll von gesellschaftlichen Ereignissen, aus denen sich ein reges Vereinsleben ablesen lässt, das über die Harmonie der engen Vereinsgemeinschaft und das Zusammenleben in dieser Stadt ausstrahlt. Darüber hinaus sind Freundschaften und Kontakte über die Grenzen der engeren Heimat hinaus geknüpft worden, so dass mit Fug und Recht behauptet werden kann, dass dieser Verein heute an einem Punkt angelangt ist, an dem er gerade durch diese aktiven gesellschaftlichen Impulse zu einer Blüte gekommen ist, die für die Zukunft ein erfolgreiches Fortbestehen gewährleisten.

Der Musikverein Mahlberg hat sich in den letzten Jahren, ja sogar Jahrzehnten positiv entwickelt und ist musikalisch auf einem sehr guten und stabilen Niveau angekommen. Was in den Anfängen des Vereins kaum denkbar war ist heute eine Selbstverständlichkeit. Frauen und Jugendliche im Verein, ebenso wie auswärtige Musiker – also Nicht-Mahlberger / -Orschweierer Einwohner – prägen das Bild des Vereins und sind heute als stabile Stützen nicht mehr wegzudenken.

In den Jahren 2020 und 2021 ist dann etwas passiert, was kaum einer für möglich gehalten hatte. Eine Pandemie hat die ganze Welt erfasst und das ganze öffentliche Leben nahezu stillgelegt. Davon betroffen auch der kulturelle Bereich, wie auch die Vereine.

Obwohl Coronaviren bereits erstmalig in den 1960er Jahren identifiziert wurden, so wurde das neuartige Coronavirus erstmals im Dezember 2019 identifiziert und trägt seit Februar 2020 den Namen SARS-CoV-2. Die Krankheit, die dieser Virus auslöst wird als COVID-19 oder umgangssprachlich als Corona bezeichnet. Diese Krankheit hat weltweit um sich gegriffen und neben schweren Krankheitsverläufen auch weltweit zu vielen Toten geführt. Übertragen wird diese Krankheit vorrangig über die Atemwege, weshalb es hier auch zu massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens, Kontakteinschränkungen, Ausgangssperren, Maskenpflicht, Testen und Impfen u.v.m. gekommen ist. Ein Proben der Musiker oder gar öffentliche Auftritte im gewohnten Maße waren damit ausgeschlossen. Es wurden ersatzweise digitale Treffen oder Workshops online abgehalten, um so zumindest regelmäßig digital zusammenzukommen. In den Sommermonaten war auch ein Proben in der gesamten Halle mit großen Abständen sowie weiteren ergänzenden Hygienemaßnahmen teils möglich. Erst im Laufe des Jahres 2022 sind hier wieder Lockerungen sowie Veranstaltungen möglich gewesen.

Die Corona-Zeit hatte man dazu genutzt den Verein auch organisatorisch auf die aktuelle Situation und die Bedürfnisse auszurichten. So ist man von der klassischen Organisation eines 1. und vertretenden 2. Vorstandes hin zu einem Vorstandsgremium gewechselt und hat dazu auch die Satzung angepasst.

So sind wir froh, dass wir gut vorbereitet und gerüstet in 2023 unser 125-jähriges Jubiläum feiern können. Vorgesehen sind verschiedene Veranstaltungen über das ganze Jahr hinweg.

Die aktive Kapelle und auch die Jungendkapelle sind dafür bestens vorbereitet.

Dirigenten:
1899 – 1900 / Wohlers, Hoboist
1901 – 1902 / Albin Toss, Musik-Hoboist vom Reg. 169 Lahr
1902 – 1903 / Wolf, Kapellmeister vom Reg. 169 Lahr
1903 – 1905 / Karl Huber
1906 – 1907 / Lütz, Musik-Hoboist, Lahr
1908 – 1914 / Wittmer
1920 – 1950 / Josef Georg sen.
1951 – 1953 / Rudolf Geiger, Altdorf
1954 – 1955 / Gerhard Pelz, Lahr
1956 – 1964 / Hans Braun, Schmieheim
1964 – 1979 / Alfred Steiert
1979 – 2001 / Reinhard Funk
2001 – 2003 / Felix Schaub
2003 – 2020 / Rüdiger Müller
2020 – heute / Melanie Huber

Vorsitzende:
1899 – 1903 / Ferdinand Kromer
1904 – 1905 / Benz
1905 – 1908 / Münz
1909 – 1915 / Max Leib
1915 – 1920 / Kriegsjahre
1920 – 1921 / Ernst Wenz
1922 – 1933 / Wilhelm Schludecker
1933 – 1938 / Anton Weber
1939 – 1949 / Kriegsjahre
1949 – 1954 / Karl Zipf sen.
1955 – 1956 / Karl Trutter
1957 – 1982 / Richard Weber
1982 – 1994 / Ferdinand Kiesel
1994 – 2002 / Ferdinand Ruckeisen
2002 – 2009 / Hermann Kopf
2009 – 2015 / Daniela Weber (geb.Zehnle)
2015 – 2021 / Tanja Lehmann
2021 – 2023 / Vorstands-Gremium
– – – – – – – – (Daniela Weber, Sarina Smolinski, Dominik Küntzler, Michael Bakenhus, Silvia Wurth)
2023 – heute / Vorstands-Gremium
– – – – – – – – (Daniela Weber, Dominik Küntzler, Michael Bakenhus, Silvia Wurth)